Biowein

Es gibt in der Weinindustrie kaum ein mehr umstrittenes Thema als den Biowein. Früher hat man eher vom hohen Ross auf den Biowein hinunter geschaut. Wieso sollte man sich das Leben schwieriger machen, die besten Weine der Welt waren ja nie bio!
Doch die Zeiten haben sich geändert, und wie! Der Konsument interessiert sich immer mehr für die Herkunft seiner Lebensmittel im Markt, das merkt man auch an der zunehmenden Zahl an Bioläden und Bauernmärkten.

Was ist denn jetzt der Unterschied zwischen den Weinen, was sind die Kriterien dafür, und wofür eigentlich?

Es gibt an und für sich drei Formen des Weinbaus: konventionell, biologisch (auch ökologisch genannt) und dann noch biodynamisch. Ich beschreibe hier die ersten zwei, über die Biodynamik notiere ich am Schluss einige Merkmale.

Konventioneller Weinbau

Das ist der Weinbau, den man noch seit jeher kennt. Den Winzern ist es hierbei erlaubt, alle verfügbaren Mittel und Methoden anzuwenden, um ihre Weine herzustellen. Sie dürfen düngen. Sie dürfen auch mit Fungiziden spritzen, sowohl um Pilzen und Schädlingen vorzubeugen, als auch bei akutem Befall ein bißchen Extra.
Hier ist das Thema Glyphosat ein aktuelles Thema. Es ist ein Hauptbestandteil des bekannten und weit-verbreitetem Fungizid Roundup von Monsanto. In Österreich ist dieses Mittel als solches nicht erlaubt, es gibt eine Abweichung davon. Erst vor einigen Tagen wurde Glyphosat jedoch für die EU wieder genehmigt. Hier ein sehr interessanter Artikel der New York Times.

Nicht nur in den Weingärten, im Keller darf ebenso alles genutzt werden. Die Kritik daran sagt, dass diese Mittel in die Pflanze und den Boden eindringen, der Umwelt schaden, und dem Menschen ungewollte Schadstoffe einflößen.

Biologischer Weinbau

Der Biowinzer hat da ganz andere Regeln, in Österreich herrschen diesbezüglich besonders strenge Gesetze.

Vorab: der Biowinzer spritzt, und zwar manchmal öfter als in der herkömmlichen Weinproduktion. Es sind aber die Zutaten, die den Unterschied machen! Hier darf mit keiner Chemie gespritzt werden, nur mit umweltfreundlichen und -neutralen Zutaten.

Wie schaut die biologische Weinherstellung jetzt aus? Es gilt, den Pflanzen die bestmögliche Grundlage zu schaffen, damit sie eigenständig stark sind. Der Mensch soll sich so wenig wie möglich einmischen müssen.

Der Boden

Es beginnt bereits im Boden. Gedüngt wird mit Kompost und Extrakten. Zwischen den Reihen wird begrünt, Klee produziert zum Beispiel Stickstoff in seinen Wurzeln, was den Boden bereichert.
Den Reihen werden Pflanzenstärkungsmittel untergemischt. Die Widerstandskraft der Pflanzen gegen Krankheiten werden Algen- und Kompostextrakte, Pflanzenöle, Gesteinsmehle, Tonerdepräparate, Kräuterauszüge und Kombinationen aller verwendet. All das hilft der Pflanze, sich eher gegen Krankheiten und Schädlinge zu schützen. Wenn es aber doch dazu kommt, helfen Pflanzenschutzmittel, die Schwefel oder Kupfer beinhalten. Sie bekämpfen die unerwünschten Feinde: Peronospora, Oidium und Schwarzfäule.
Andere Pflanzen, vor allem blühendes “Unkraut”, locken Nützlinge an, und stellen einen Lebensraum her, der eine Artenvielfalt unterstützt. Und hier lautet es: Bei Biowein ist mehr einfach mehr!

Die Sortenwahl

Es gibt Gesetze, welche die Sorten für die Produktion von Biowein bestimmen. Hier ist es gänzlich und absolut verboten, gentechnisch veränderte Rebsorten zu verwenden. Österreich schaut da ganz genau.

Die Ernte

Neue Technologien erlauben es, im Bioweinanbau maschinell zu lesen. Es wird aber trotzdem oft bevorzugt, manuell zu ernten, da bereits hier eine Art Vorlese gemacht werden kann, und wirklich nur unbeschädigte und reife Beeren mitgenommen werden.

Most- und Weinbehandlung

Jetzt sind sie im Keller, die Süssen. Sanft gepresst, umgefüllt. Was nun? Auch hier gibt es Regelungen für die Bioproduktion! Im Bioanbau darf man bestimmte Bio-Reinzuchthefen zusetzen (das ist bei der bio-dynamischen Produktion strengstens verboten!).
Die moderne Kellertechnik hat einige Unterschiede wieder gleichgemacht, so sind bestimmte Klärungen und Entsäuerungen, die früher notwendig waren (z.B. Blauschönung), durch die Entwicklung des rostfreien Edelstahls inzwischen unnötig geworden.

Bentonit darf von allen verwendet werden, und auch eine Eiweißschönung darf gemacht werden (in der Biodynamik natürlich nur mit Demeter-Eiern).

Ist Biowein teurer?

Ja und nein. Die Produktion eines Bioweines ist teurer, und mit mehr Risiko Verbunden. Andererseits gibt es besonders in Österreich viele Winzer, die keine große Umstellung machen mussten, um als Biobetrieb zertifiziert werden, und können so für ihre ausgezeichneten Weine konkurrenzfähige Preise bieten.

Was bedeutet das jetzt für dich?

Auf der einen Seite ist es für viele eine natürliche Wandlung. Wir schauen jetzt vermehrt auf die Herkunft von Obst und Gemüse, suchen Bio-Eier und Biofleisch, kaufen unsere Kleidung von nachhaltigen Produzenten zu fairen Preisen. Da macht es nur Sinn, wenn wir auch beim Wein nicht alles stehen und liegen lassen!

Resveratrol

Trauben, die nachhaltig und biologisch heranwachsen dürfen, haben oft eine dickere Schale, was vor allem bei Rotwein eine gesunde Sache ist. Die Schale der Beere enthält Resveratrol, vor allem bei Reben, die in Kühlen Regionen wachsen, wie bei uns in Österreich. Resveratrol ist ein Fungizid, der von den Trauben selbst produziert wird, um sich vor UV-Einwirkung, Pilzen und einigen anderen Schädlingen zu schützen. Beim Menschen wirkt er sich ähnlich aus. Resveratrol ist auch antioxidativ, verringert also die Auswirkung von freien Radikalen. So sagt man Resveratrol nach, einen guten Schutz gegen Herz- und Gefäßerkrankungen zu bilden, und auch  krebsvorbeugend zu sein.

Ein kurzes Wort zur bio-dynamischen Weinproduktion

Die Biodynamische Weinproduktion ist äussert kompliziert, streng geregelt, und basierend auf Philosophie. Rudolf Steiner (1861-1925) entwickelte in den 1920er Jahren bestimmte Regeln für einen „biologisch-dynamischen Landbau“  auf. Grundsätzlich meinte er, dass die Krankheit einer Pflanze ein Zeichen dafür sei, dass seine Umwelt aus dem Gleichgewicht geraten sei, vor allem auf Grund von chemischen Mittels bei der Landwirtschaft.

Klingt alles schön und gut! Die Aufmerksamkeit liegt in dieser Art der Weinproduktion auf Nachhaltigkeit und Artenvielfalt, wie im biologischen Anbau. Die Biodynamik legt auch sehr viel Wert auf die Mondphasen, in manchen Formen auch die Musikbeschallung, und dann gibt es die Kuhdungmethode: Man fülle Kuhdung in ein Kuhhorn und begrabe dieses auf dem Weinberg, aber nur zur Tag- und Nachtgleiche im Herbst. Genau sechs Monate später werden sie wieder ausgegraben, und der Inhalt in einem runden Behälter mit lauwarmen dynamisiertem Wasser aufgelöst. Man rühre zuerst im Uhrzeigersinn, bis ein Wirbel entsteht, und dann gegen diesen, zwanzig Minuten lang. Das Ergebnis wird mit einer Sprühampulle tröpfchenweise am späten Nachmittag verteilt. All das soll die Rebe unterstützen, so dass der Wein eine tiefere Farbe und eine gute Balance erzielt.

Tja. Ist es erwiesen, dass das funktioniert? Nicht wirklich. Aber eigentlich ist es schon logisch! Wie kann die sorgfältige Pflege des Weingartens, mit Liebe zu jeder Rebe und vorsichtigen Aufgüssen an gesunden Extrakten schädlich sein!

Wir haben einen biodynamischen Winzer bei Craftwines, Peter Uhler. Er spielt die Geige bei den Wiener Symphonikern, also muss das mit der Musikbeschallung ein Traum sein! Probiere mal seinen Gelben Muskateller vom Reisenberg, der ist blassgelb aber mit einer unglaublich Geschmackstiefe!

Es gibt tausende Artikel und Bücher und Meinungen über die biologischen Anbau, hoffentlich hat dir diese kurze Zusammenfassung ein wenig Einblick gegeben! Prost!

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