Ein reifes Alter – Welche Weine kann man aufheben?

Ein paar Tipps und Tricks , um Alterungspotenzial zu erkennen!

Ich habe vor einiger Zeit an einem Seminar mit dem berühmten Weinkritiker Willi Balanjuk teilgenommen. Da meinte er, Österreicher seien “Jungwein-Junkies”. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr stimme ich ihm zu!

Die Österreicher bevorzugen den jüngsten Jahrgang, vor allem bei Weißweinen, und da besonders beim Grünen Veltliner. Die Kultur den “Heurigen” Weines ist tief in der Geschichte verankert.

Rotweine altern meistens ein bisschen länger im Fass, aber auch da sind die neuesten Jahrgänge oft schnell weg, gleich nach der Flaschenfüllung, wenns geht. Die Winzer haben auch auf diese Nachfrage reagieren müssen, und heben sich keine großen Mengen auf.

Sarah und ich haben eine echte Schwäche für einen älteren… Wein. Klar, es ist schon etwas Besonderes, den ganz frischen Jahrgang zu kosten, aber es ist noch besser, dem Wein die Zeit zu lassen, um sich zu entwickeln! Mit dem Alter kommt Charakter und Tiefe, und jeder Jahrgang kann gefeiert werden.

Verborgene Schätze

Im Weingut heben Winzer/Innen immer einige Flaschen von jedem Jahrgang auf, meistens nicht für den Verkauf, sondern eher für Referenz oder Nostalgie. Wir hatten bisher Glück, und wurden eingeladen, solche Flaschen zu verkosten. Ilse Mazza hat uns einen Grünen Veltliner 1995 eingeschenkt (Sarah hat dann sogar zwei Flaschen mitgenommen!), Michael Opitz hat eine Flaschen Pinot Gris 2009 aufgemacht, und Hans-Peter Göbel hat tief in die Schimmel gegraben und einen überraschend genießbaren Rosé auf 1993 gefunden. Es ist total faszinierend, wie sich Weine mit der Zeit verändern, und eine wahre Ehre, diesen Einblick zu bekommen.

Wir haben es zu einem Ziel gemacht, ältere Jahrgänge hervorzuheben. Wenn du sie am Markt findest, super (Leo Uibel hat einen ausgezeichneten Pinot Noir 2011), aber überlege dir auch, ob du nicht Weine kaufen möchtest, die Reifungspotential haben. Da wirst du ein wenig Disziplin brauchen (glaub uns, wir haben da schon oft versagt), aber vergleiche neue und alte Jahrgänge eines Weines, es lohnt sich!

Natürlich ist nicht jeder Wein fürs Altern geeignet.

Hier sind einige Merkmale, auf die du schauen kannst

 

  • Der Alkoholgehalt sollte nicht zu hoch sein…Bei österreichischen Weinen ist das meistens kein Problem. Es ist ein Land mit kühlem Klima, und die Weine gehen selten über 13,5%-14%. Insgesamt betrachtet: Niedriger Alkoholgehalt hält den Wein davon ab, in Richtung Essig zu gehen. Perfekte Beispiele sind Rieslinge wie der Riesling Rosenhügel vom Diem, oder auch der Weissburgunder 2016 vom Weingut Schneider.

  • … dafür kann der Säuregehalt aber richtig rauf gehenMit der Zeit verschwindet die Säure in einem Wein, also bleibt er viel länger “frisch”. Das gilt für Rotwein und Weißwein! Rotweine mit hoher Säure kann man nur schwer trinken, aber ein Weißwein kann auch schön altern. Probiere doch Hannes Hofer’s Rotgipfler Hausberg or like Oskar Hager’s Novemberlese.
  • Viel RestzuckerMit der Zeit sinkt der Restzuckergehalt in einem Wein, aber weil Weißweine wie ein Riesling oder ein ausgeglichener Grüner Veltliner oft mehr Restzucker haben als ein Rotwein, bleibt der Wein schön komplex ohne einfach nur sauer zu werden. Wir lieben da den Thomas Ott’s Riesling “Spiegeln”!
  • Tannine = das Zeug, das deinen Mund austrocknetTannine geben einem Wein Struktur. Die kommen aus der Haut der Beeren, deswegen erkennen wir sie schnell in Rotweinen, weil die Schalen auch die Farbe enthält. Weißweine lässt man eigentlich nicht lange auf der Maische, aber wir haben in letzter Zeit einige richtig tolle Rotgipfler gekostet, bei denen die Tannine deutlich zu spüren waren. Sie werden mit der Zeit runder und weicher, also hat der Wein mit Zeit eine Samtigkeit. Im Gegensatz dazu, werden frische Rotweine mit wenigen Tanninen schneller “flach”. Probiere doch Erich Sattler’s St. Laurent or Blaufränkisch Hochäcker 2014 from Bauer-Pöltl.
  • RebsortenManche Traubensorten altern besser als andere. In Österreich findest du dieses Potenzial bei weißen Sorten wie Rotgipfler, Zierfandler, Riesling (Reserve/Smaragd) und Grüner Veltliner (Reserve/Smaragd), und bei roten Reben wie Blaufränkisch und Zweigelt, da sie sowohl hohen Säure- als auch Tanningehalt haben.  


Und das war’s schon! Als Letztes sage ich nur noch, dass du immer auf Qualität schauen solltest (das ist bei Craftwines eh kein Thema!), dann kannst du deine Weine noch viele Jahre geniessen!

Prost!

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